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Besinnen wir uns auf die Urkraft unseres Landes!

Am 1. August feiern wir den Geburtstag unseres Landes. Dieser Tag bietet auch immer wieder eine Gelegenheit, um uns zu fragen, wo wir stehen mit unserem Land. Was war bisher gut und worauf müssen wir in Zukunft achten, damit wir weiterhin in Sicherheit, Freiheit und Wohlstand leben dürfen?

Die Zeiten von Wilhelm Tell scheinen schon lange vorbei zu sein, das zeigt sich allein schon bei den internationalen Verhandlungen.

Damals

  • reiste man tagelang zu einem diskreten Treffen in einem Lokal, um zu verhandeln,
  • traf sich Auge in Auge im kleinen Kreis der Entscheidträger
  • verstand unter „Vandalen“ noch einen germanischen Volksstamm
  • hielt geheim, was geheim war
  • einigte sich am Schluss dann per Handschlag und der Vertrag galt.

Heute

  • reist man per Flugzeug mit einer ganzen Delegation inklusive Mediensprechern in eine grosse Stadt
  • braucht ein immenses Polizeiaufgebot wegen den vermummten Vandalen, die als Wochenendvergnügen alles kaputtschlagen
  • einigt sich NICHT, postet und twittert dies aber wortreich im Internet
  • und hat dann trotzdem ein Dokument, welches die Delegationen mit Vorbehalt unterzeichnen, die Staaten tagelang durch die Juristen prüfen lassen, um es dann schlussendlich doch nicht einzuhalten…ausser wahrscheinlich in der Schweiz….

Aber auch wenn die Zeiten von Wilhelm Tell schon lange vergangen zu sein scheinen, zehren wir glücklicherweise noch heute von dem, was unsere Vorfahren einst geleistet haben. Damals wurde hart gearbeitet, man schloss sich zusammen und bildete eine Willensnation; eine Gemeinschaft, in der jeder sein Möglichstes dazu beitrug, damit es allen gut ging. Man war vorsichtig, sorgte vor, und es gab immer auch Leute, die auf eigene Kosten Pionierleistungen vollbrachten und damit die ganze Gemeinschaft vorangebracht haben. Sie alle haben mit ihren Entbehrungen, ihrer Kraft und ihren Leistungen den Grundstein dafür gelegt, dass wir heute hier zusammen sein, in Frieden den Nationalfeiertag begehen und uns reich beschenkt fühlen dürfen. Dank der Leistung unserer Vorfahren leben wir in einem Land, in dem alles gut funktioniert, die Züge pünktlich fahren, die Post auf dem Weg zum Empfänger nicht verloren geht und die Arbeitslosigkeit tief ist. Dies darf uns mit Stolz erfüllen, aber auch mit Dankbarkeit.

Der Wohlstand, die gute Organisation und die Tatsache, dass wir bisher von Terroranschlägen weitgehend verschont geblieben sind, machen uns aber auch nachlässig. Das Internet hat die Welt zu einem Dorf gemacht und uns das Gefühl gegeben, es sei alles gesichert, friedlich und unendlich verfügbar und man könne sich einfach gemütlich seinen beruflichen Visionen und privaten Plänen widmen. Und dann kommen die in Bern und sprechen von Armeebudget, Kampffliegern und vom Waffenrecht…braucht es dies alles noch?

Leider ist die Lage tatsächlich ernster, als wir dies in unserem Alltag auf den ersten Blick annehmen könnten. Nicht nur, dass in Hamburg die G20 nicht tagen konnten, ohne dass sage und schreibe 500 Polizisten verletzt worden sind. Ein Teil der Ukraine ist immer noch besetzt, an der Grenze von Syrien warten immer noch Hunderttausende von Flüchtlingsfamilien darauf, in ihre Häuser zurückkehren zu können, in London wird die Bevölkerung von Terror und Attacken auf Passanten heimgesucht, in Nordkorea werden immer wieder Raketen getestet, in der Türkei werden neuerdings deutsche Staatsbürger verhaftet, und im Mittelmeer gehören die Schlepperboote wieder zum Alltag wie jeden Sommer. Es ist keine friedliche Welt, in der wir uns befinden, da sind Konflikte in nächster Nähe, von den Terrororganisationen ganz zu schweigen.

Denken wir aber auch an die finanzielle Sicherheit: Der Staat gibt immer wieder mehr aus, als er einnimmt, und das, obwohl er immer mehr Steuereinnahmen hat. Dem AHV-Fonds geht es immer schlechter, deshalb stimmen wir im September über eine umstrittene AHV-Reform ab, die auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer beinhaltet. Die Krankenkassenprämien werden jedes Jahr teurer, weil die Gesundheitskosten explodieren, und plötzlich gibt es Diskussionen darüber, ob trotz jahrelang gezahlter Prämien wirklich diese oder jene Behandlung noch bezahlt oder gemacht werden sollte.

Und denken wir nicht zuletzt an die Gesellschaft, die sich immer wieder neu orientieren muss: Wir werden älter als früher und es kommen auch immer mehr Leute in unser Land. Heute sind wir 8 Millionen, zu den Zeiten unserer Grosseltern waren es noch 4 Millionen, und zu Tells Zeiten waren es noch viel weniger. Man spricht inzwischen sogar von Platz für 12 Millionen in unserem Land – aber wäre das denn wirklich noch unsere Schweiz mit ihren Qualitäten? 12 Millionen Menschen hiesse: noch mehr organisieren und regulieren, damit immer Leute aneinander vorbeikommen, ohne zusammenzustossen, man muss dafür sorgen, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein können, dass es genügend Platz hat für neue Wohnungen und Verkehrswege, dass die Gesundheitsversorgung noch funktioniert, und so weiter. Schon heute werden wir immer mehr bevormundet und kontrolliert, der Apparat wächst und bald sind mehr Leute in Staatsdiensten tätig als in der Wirtschaft. Wir sollten schon dazu Sorge tragen, dass dies alles nicht ausufert. Und wir sollten uns nicht zurückzulehnen und denken, es gehe uns ja gut und der Staat schaue dann schon und regle, was nötig sei. Nehmen wir das Heft wieder selbst in die Hand – wie zu Tells Zeiten!

Nutzen wir die ganz besondere Kraft der Schweiz, die Kraft, die es damals möglich gemacht hat, dass der Bundesstaat gegründet werden konnte und sich die Kantone zusammengeschlossen haben. Die Kraft, die uns einst als Schweizerinnen und Schweizer zusammenstehen und zusammenhalten liess, um einander und den anderen zu helfen, damit es am Ende allen gut geht. Jede und jeder Einzelne von uns weiss im tiefsten Innersten, dass uns in unserer direkten Demokratie und in unserem Milizsystem die Zukunft von diesem Land und seinen Leute etwas angeht, dass wir alle mitdenken und handeln müssen und dass wir vorbereitet sein müssen. Eigenverantwortung ist ein Wert, der zu Zeiten von Wilhelm Tell noch ganz zuoberst stand beim Handeln – sonst hätte man es sich damals vielleicht doch noch überlegt, den bequemeren Weg der fremden Herrschaft und der fremden Richter zu wählen. Heute ist die Eigenverantwortung leider nicht mehr immer so selbstverständlich, und man muss sich manchmal selbst wieder daran erinnern und die Eigenverantwortung auch immer wieder unseren Kindern vorleben.

Nutzen wir also diesen 1. August, um uns wieder darauf zu besinnen, dass jeder von uns ein Teil ist von dieser historischen Kraft dieses Landes. Seien wir wachsam, wenn es darum geht, die Sicherheit und die Freiheit zu schützen, seien wir bescheiden und vorsichtig, wenn es darum geht, nach dem Staat zu rufen bei diesem und jenem, und seien wir kritisch, wenn es darum geht, neue Gesetze einzuführen – aber seien wir auch hilfsbereit, wenn wir sehen, dass jemand Hilfe benötigt und wir etwas tun können, von Mensch zu Mensch.

Ich wünsche allen einen schönen 1. August!

Nationalrat Werner Salzmann, Parteipräsident SVP Kanton Bern

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